David Berger:  Der heilige Schein

 

Am 23. April 2010 war es endlich so weit. David Berger verband in seinem Gastkommentar in der Frankfurter Rundschau sein Outing mit der Kritik an der katholischen Kirche. Schaut man sich seinen Weg an, ist es beinah verwunderlich, dass es so lange gedauert hat.

Auf sehr unterschiedlichen Ebenen macht dieses Buch betroffen. Da ist der Autor und seine Lebensgeschichte, da sind die vielen Einzelschicksale von denen er berichtet. Zum Beispiel der schwule katholische Priester der "aufgrund des scheinheiligen Umgangs damit innerhalb der Priesterschaft seiner Diözese, schwer depressiv geworden" ist. Berger tröstet diesen Mann am Telefon unter anderem mit dem "Katechismus der Katholischen Kirche" der gegenüber homosexuellen Menschen Respekt und Taktgefühl fordert." Wenige Stunden später bereits hört der Autor in der ARD - Sendung Anne Will den katholischen Bischof Overbeck aus Essen wie er behauptet homosexuell zu sein wäre Sünde, weil wider der Natur."

Dies ist die eine Seite der Ungeheuerlichkeiten von denen David Berger berichtet. Die andere Seite ist die, dass die katholische Kirche noch heute, nach einem Jahr voller Missbrauchsfällen die auf katholische Mitarbeiter zurückzuführen sind, Fälle wie den des amerikanischen Priesters Murphy einfach für abgeschlossen erklärt, er hatte im Verlauf vieler Jahre immer wieder Jungen missbraucht. Dies geschah nicht irgendwann, sondern im März 2010. Wer kann da im Zusammenhang mit der katholischen Kirche noch von Glaubwürdigkeit reden?

David Berger beschreibt seine Kinder - und Jugendzeit. Wie er mit seiner katholischen Großmutter katholische Kirchen besuchte, er erzählt von seinem Wunsch Priester zu werden, diesen Wunsch dann aber wieder verwirft. Er schreibt von seinem ständigen Gefühl der Zerrissenheit zwischen seiner sexuellen Orientierung und den Moralvorstellungen seiner Kirche.

Ein katholisches Gemeindeleben beschreibt er in dem man sich wohlfühlen kann, aber es überwiegt bei weitem die katholische Welt der Falschheit und Doppelmoral die bis heute gepflegt und von ganz oben gefördert wird. Der Autor benennt Internetadressen auf denen "traditionsorientierte Katholiken" in meinen Augen moderne Inquisitionshatz betreiben. So werden dort unter anderem solche Fragen diskutiert: "Warum hat das bereits vor fünf Jahren vermählte Ehepaar erst zwei Kinder? Warum ist der vierundzwanzigjährige Mann noch nicht verheiratet?" Ich bin entsetzt über solche Praktiken mitten in Deutschland und ich frage mich warum machen Laien bei so einer Hatz mit?

Dieses Buch macht betroffen und lässt mich wütend zurück. Noch immer scheint die katholische Kirche so mächtig zu sein, dass sie ihre Spielchen voller Falschheit und Perversitäten weiterspielen kann. Nicht einmal der Autor kann wirkliche Zeichen einer Veränderung im Handeln seiner Kirche entdecken. Man sollte dieses erschütternde Zeugnis aus dem inneren der katholischen Kirche lesen um jeden vor dieser Institution zu warnen, sie hat längst nichts mehr mit Jesus oder dem Willen Gottes zu tun.

 

Christian  Döring

 

Ullstein, ISBN 978-3-550-08855-1, Preis 18, 00 Euro

 

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