Molly Birnbaum:  Der Geruch der Erinnerung

Molly hatte studiert, war in Afrika und wollte schließlich einfach nur noch kochen. Mutig und genießend stellte sie sich allen nur denkbaren Küchendüften.

Eines Tages betritt sie ohne Ankündigung die Küche eines Restaurants und sagt dem Küchenchef: Ich will Köchin werden. Der nimmt sie in seiner Küche auf und Molly Birnbaum schuftet, putzt, wäscht ab, schneidet Gemüse und ist glücklich. Doch plötzlich, sie ist gerade beim joggen, knallt ihr Körper gegen die Stoßstange eines Autos. Wochen später sitzt sie vor ihrem geliebten Apfelkuchen und muss erfahren:

"Ich schmecke nichts" , sagte ich."

Die Autorin flüchtet sich dann zunächst in technisch - phyische Erklärungen zur Nase und dem so wertvollen Geruchssinn. Molly erfährt schmerzhaft an Leib und Seele was es heißt nicht mehr riechen und schmecken zu können.

Für mich als Leser ist es spannend was Molly Birnbaum über das Schärfen der anderen Sinne berichtet während ihr Geruchssinn abhanden kam.

Ganz unvermittelt leidet der Leser mit. Birnbaum schärft mit jeder Seite ihres Buches den Sinn des Lesers für ihren unsichtbaren Verlust, der nur auf den ersten Blick nicht so schlimm erscheint, aber doch ein Leben verändert.

"Ich konnte ihn riechen!"

Dies sind die Worte mit denen Molly Birnbaum wieder an den Ausgangspunkt ihrer Unversehrtheit zurückkehrt und doch verändert ist. Der Autorin ist ein autobiografisches Werk gelungen, dass unter die Haut geht, weil Birnbaum ihre Leser dabei erwischt wie sie Anfangs noch meinen 'das kann doch nicht so schlimm sein', aber am Ende des Buches erkannt haben, welch ein herber Verlust es doch ist ohne Geruchssinn leben zu müssen.

Kein & Aber, ISBN 978-3-036-95606-0, Preis 19, 90 Euro

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