Laurent Gaude:  Das Tor zur Unterwelt

 

An der Hand seines Vaters wird der kleine Pippo erschossen. Wütend zog der Vater seinen kleinen Sohn an diesem Morgen des Jahres 1980 in Neapel hinter sich her. Sie waren zu spät dran, gleich würde es zur ersten Schulstunde klingeln.

Doch dann fallen Schüsse. Pippo wird getroffen. Sein Vater wirft sich schützend über ihn. Pippo ist tot. Lange wird sein Vater daran zu tragen haben, dass er seinen Sohn gerade in der Sekunde seines Zorns hergeben musste.

Dieser Roman vermischt Fiktion und Realität. Er zeigt die brutalen Schattenseiten des Lebens in den Elendsvierteln von Neapel. Bei allen beschriebenen Brutalitäten in diesem Buch, berühren mich zwei Sachen ganz besonders. Dieses Buch beschreibt nicht ferne Zeiten der Vergangenheit, sondern den aktuellen Alltag im Elendsviertel, da wo auch in dieser Sekunde Hass und Gewalt regieren. Zweiter Höhepunkt des eisigen menschlichen Zusammenlebens hat Laurent Gaude so ausgedrückt: "All diese aneinander vorbeigleitenden Leben, die unempfänglich füreinander sind."

Tote reden in diesem Roman. Der Autor meint, wir in der Realität lebenden, tragen stets ein Stückchen von den Toten in uns mit. Wie gesagt dies Buch beinhaltet brutalste Szenen, aber manchmal ist das reale Leben brutal und Lieratur hat bekanntlich die Aufgabe das Leben zu reflektieren.

In diesem Sinne haben wir uns der Brutalität zu stellen. Laurent Gaude hat nicht die Hoffnung aufgegeben, dass die Brutalität das letzte Wort haben muss, deshalb ist dieses Buch wichtig zu lesen.

 

Christian  Döring

 

dtv, ISBN 978-3-423-24795-5, Preis 14, 90 Euro

 

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