Eliot Pattison:  Das Auge des Raben

 

Engländer und Franzosen schlagen sich 1760 um die Vormachtstellung in Amerika. Größtes Leid haben diese Kämpfe den Indianern gebracht. Alkohol und europäische Krankheiten kosteten vielen das Leben.

Europäische Einflüsse in Nordamerika zerstörten aber auch, dass bisherige Miteinander unter den großen Indianerstämmen und waren der Beginn der Entfremdung von ihren eigenen Mythen und ihrer Religion. Der in Pennsylvania lebende Eliot Pattison beschreibt sehr schön indianische Riten und Mythen.

Während Franzosen und Engländer um die Unterstützung der Indianer buhlten, kommt es zur Verhaftung des Schamanen Conawago. Er hat einen an den Baum genagelten sterbenden englischen Offizier gefunden, jetzt wird er selbst des Mordes bezichtigt.

Duncan McCallum der Conawago sein Leben verdankt, versucht den wahren Täter zu finden. Dabei werden immer mehr Ritualmorde bekannt. Der Schotte Duncan wird erkennen müssen, dass politische Motive hinter den Morden stecken.

Neben dieser politischen Ebene ist für mich beinah ebenso interessant wie Pattison von den amerikanischen Ureinwohnern berichtet. Da ist noch die Zeit greifbar in der die Indianer ohne Europäer leben konnten. Und da hat bereits die Zeit der Vertreibung der Indianer aus ihren angestammten Gebieten durch Engländer und Franzosen begonnen. Der Autor beschreibt sehr gut wie diese Schwelle und   - das Auftreten der Europäer in Amerika -  die Zerstörung der heilen Indianerwelt darstellt. Sie war nicht vollkommen heil, Probleme gab es auch unter ihnen, aber die grundlegende Zerstörung ihrer Welt, egal ob Mythen oder Landbesitzfragen begann erst mit den Europäern.

Dieser Roman lebt von gut präsentierten Geschichtsfakten und von lebendigen Charakteren die dem Leser nicht mehr so schnell aus dem Kopf gehen.

 

Christian  Döring

 

Rütten & Loening, ISBN 978-3-352-00788-0, Preis 19, 95 Euro

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