Charles Chadwick:   Brief an Sally

 

Kennen Sie nicht auch Mehrfamilienhäuser in denen nur alte Leute leben? Haben Sie sich schon einmal gefragt wie das Leben hinter solchen Mauern aussieht?

Naomi ist eine dieser Frauen. Höhepunkte des Tages sind die Besuche des Pflegedienstes und der Firma, die das Essen bringt. So vergeht ein Tag nach dem anderen und Naomi lebt von Tag zu Tag in ihrer Londoner Wohnung.

Aber dann plötzlich wird alles anders. An Naomis Wohnungstür klopft es und Sally steht vor der Tür. Eine junge, lebenslustige Frau zieht in das Haus ein und sie verändert das Leben von Naomi.

Zwischen beiden Frauen entsteht eine wunderbare generationenübergreifende Beziehung, die von Charles Chadwick ergreifend beschrieben wird. Sally erzählt von sich und ihrer Familie die auf dem Lande lebt. Aber das vielleicht Wichtigste an dieser Geschichte, Sally zeigt sich interessiert an Naomis Leben. Diese erzählt wenig, vielleicht weil sie es in der Zeit der Einsamkeit verlernt hat.

Als Sally wieder wegzieht, wird das Leben für Naomi wieder schwer und eintönig. Aber sie rafft sich auf und sortiert ihr Leben. Ja auch sie, die heutige Beobachterin des Lebens, hatte selbst einst ein interessantes aufregendes Leben. Naomi will ihre Geschichte vom Leben auf einer afrikanischen Kolonialstation aufschreiben. Sollte sie Sally einmal wieder treffen wird diese die Geschichte bekommen.

Es ist eine sehr leise und ergreifende Geschichte, die zeiweise an das eigene Altern  erinnert. Eine vergreisende Gesellschaft wie die, in der wir leben, sollte sich sehr gut auf seine Alten vorbereiten.

 

Christian  Döring

Luchterhand, ISBN 978-3-630-87328-2, Preis 17,95 Euro

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