Burkhard Spinnen: Auswärts Lesen

Geht ein Autor in eine große Buchhandlung oder in eine Bibliothek um dort vor Literaturinteressierten vorzulesen, ist alles okay. Geht er aber in eine Schule sieht die Welt für den Autor schon ganz anders aus. Burkhard Spinnen erlebt dies hin und wieder und hat in diesem Büchlein seine Eindrücke spannend geschildert.

Der Autor benennt zunächst seine eigenen Unsicherheiten wenn er ein Schulgebäude für eine Lesung betritt. Klar, dass Klassenzimmer oder die Aula werden sehr gut gefüllt sein, aber sind die Jugendlichen es auch gewohnt das man ihnen vorliest? Ja mögen Sie überhaupt Literatur? Schließlich hatten sie keine Wahl, sie müssen hier sitzen.

Manchmal geht so eine Lesung schief, aber manchmal hat Burkhard Spinnen sogar "Erweckungserlebnisse" bei Schülern erlebt. Vorlesen in einer Schule sind für ihn Auswärtsspiele. Wenn er dort gut ist, mit seiner Literatur überzeugen kann, dann ist es für ihn ein Doppelsieg. Auswärtssiele werden doch immer doppelt gewertet oder?

Interessant war für mich beim Lesen wie Spinnen die Lehrer erlebt. So trifft er in fast allen Fällen auf Lehrerinnen. Besorgt fragt sich der Autor, muss die Literatur gerade von Jungen nicht als weiblich verstanden werden? Der Autor sagt es so: "Literatur hat das Image eines weichen Gegenstands, ganz im Gegensatz etwa zur beinharten Mathematik. Sie gilt als etwas tendenziell Luxuriöses oder Kokettes oder Sentimentales." Ich nicke beim Lesen und gebe Burkhard Spinnen recht.

Viel mehr an Einblicken und interessanten Überlegungen hat der Autor hier aufgeschrieben. Ein Wechselspiel der Sichtweisen ist daraus geworden. Schüler, Lehrer und Autor treffen sich in der Schule. Glücklicherweise verlässt Spinnen mit diesen Worten das Schulhaus: "Es kann keinen Zweifel daran geben, dass ich den schönsten Beruf der Welt habe."

Unbedingte Leseempfehlung an Lehrer und Eltern!

 

Residenzverlag, ISBN 978-3-7017-1548-0, Preis 16, 90 Euro

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