Angelika Overath: Alle Farben des Schnees

 

Wie ist das wenn man vom vornehmen Tübingen in die kleine Berggemeinde Sent zieht? Ein ganz fremder Ort ist es ja nicht, der Ferienort war es bisher, aber nun wohnt die ganze Familie hier, jeden Tag, das ganze Jahr über.

Die Autorin führt Tagebuch über die erste Zeit und lässt uns mitlesen. Noch kommt es ihr nur sehr zögerlich über die Lippen, dass "nach Hause" kommen. Heimat ist das große Thema das dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite durchstreift. Ist Heimat eigentlich dort wo man sein Bett stehen hat?

Angelika Overath vergleicht ihren Garten mit dem der Nachbarin. Dort steht alles wohl gepflegt, bei ihr ist längst nicht alles so in Schuss, gehört sie doch noch nicht so richtig hier her?

"Wenn wir einmal Geld haben, kaufen wir hier eine Ferienwohnung." sagte der Mann der Autorin und so begann ihre gemeinsame Liebe zu Sent. Das Ankommen in dem kleinen romanischen Dorf "der Bauern und Zuckerbäcker, der Handwerker und Feriengäste" ist eigentlich mehr als nur ein Umzug von Stadtmenschen in ein Dorf mit fremder Sprache.

Sehr schön beschreibt Angelika Overath dieses Dorf, seine Lage in der herrlichen Bergwelt, seine Menschen und selbst seinen einmaligen Geruch. Dieses zunächst fremde Feriendorf wird langsam Heimat. Die Familie der Autorin nimmt es Schritt für Schritt in Besitz, nach und nach lernen sie alle Farben des Schnees dort oben in Sent kennen, dort wo sechs Monate lang im Jahr der Schnee liegen bleibt.

Ein nachdenklich machendes Buch über das Leben, das sich immer wieder Einrichten, letztendlich egal ob in einem kleinen Dorf oder der großen weiten Welt. Wo steht eigentlich mein Bett?

 

Christian  Döring

Luchterhand, ISBN 978-3-63087-340-4, Preis 18, 99 Euro

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