David R. Slavitt:  Alice über alles

 

Lewis Carroll war vernarrt in kleine Mädchen. Als er Alice sah erfand er sie neu und machte sie und andere Mädchen durch seine Porträts bekannt. Seine Bücher erlangten Weltruhm, auch als ein Meister der Fotografie wurde er bezeichnet.

Im vorliegenden Buch nun hat der Romancier David R. Slavitt kein Märchen geschrieben, auch wenn es sich beinah so anhört. Er hat beschrieben wie die inzwischen achtzigjährige Alice die Ehrendoktorwürde der Columbia University von New York verliehen bekommt. In der Begründung der Universität hies es 1932, dass sie wegen ihrer Verdienste, die sie sich als Vorbild der titelgebenden Figur im genial - absurden Märchen von Carroll erworben hätte.

Das Buch von Slavitt ist vielleicht nicht geeignet als großer Enthüllungsbericht gehandelt zu werden. Er zeigt dem Leser jedoch sehr gut, auch in einer sprachlich verzaubernden Weise, wie Lewis Carroll aus der kleinen Alice die weltbekannte Alice im Wunderland erschuf. Man kann dieses Buch vielleicht als Abrechnung des Objektes Alice mit ihrem Schöpfer Carroll bezeichnen, auch wenn der 1932 bereits 34 Jahre lang tot war.

Slavitt tritt Carroll sehr nahe, schaut sozusagen hinter die Kulissen des schüchternen Herrn Universitätsdozenten und er schaut sehr genau auf die Art, die Intensität der Beziehung des Machers Carroll zur kleinen Alice, warum will ich wohl immer Opfer schreiben? Vielleicht wäre es zu hart verurteilt . . .

Als Kenner der Alice im Wunderland war es für mich sehr interessant hier der Alice Liddell und ihrem Sohn zu begegnen.

 

Christian  Döring

Eichborn, ISBN 978-3-8218-6231-6, Preis 32, 00 Euro

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