Friederike Roth:  Abendlandnovelle

 

"Am Anfang des Anfangs

also vor jedem Anfang

diese Leere voll Hoffnung

die vibrierende Ruhe . . . "

So beginnt die Stuttgarter Lyrikerin ihr Buch und lädt ihre Leser damit ein, mit ihr gemeinsam über Anfang und Ende, über Leben und Inhalte nachzudenken.

Mit offenen Augen und nachdenklich, auch frecher Feder beschreibt sie ihre Welt wie sie sie sieht. Nicht einmal vor der "schaumgeborenen Aphrodite" macht sie halt. Neugierig fragt sie nach dem Schaum und macht klar, dass das eigentliche Lebenselexier die Neugierde ist.

So ganz ohne Respekt traut sich Friederike Roth sogar an die ewige Frage nach dem Ei und der Henne, sogar an die nach Adam und Eva. Von einem Kreislauf im Weltenlauf spricht sie nicht, aber von dem Ende das bereits in jedem Anfang steckt. Friederike Roth lesen heißt genießen und vor allem sich dem Leben aussetzen. Nicht schonungslos, aber in aller Offenheit, alles sehend.

"Der unveränderte leere Blick.

Aber die Hand

geht zu den Weintrauben

ein kurzer angstvoller Blick

Melonenstückchen locken

die kleine Gabel hat ihre Bedeutung verloren

noch einmal der Blick:

Darf sie?

Essen mit Fingern?

Das alt gewordene, überalterte Kindlein.

Keine Pflegestation ist eine Krippe

wird je eine sein

war nie eine gewesen."

 

Christian Döring

 

Suhrkamp, ISBN 978-3-518-42176-5, Preis 15, 90 Euro

 

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