Eveline Hasler: Anna Göldin

Vor vielen Jahren bereits hat Eveline Hasler die spannende Geschichte um die Schweizer Dienstmagd Anna Göldin aufgeschrieben. Als junges Mädchen musste Anna ihre Familie verlassen, um sich ihr Geld selbst zu verdienen. Mehrere Stellungen als Dienstmagd hatte sie inne und nun kommt sie mit über 40 zurück in den heimatlichen Kanton Glarus, um eine neue Stelle als Magd anzutreten.

Eine beinahe altertümlich anmutende Sprache benutzt die Autorin, um ihre Leser in die ferne Zeit, in der Obrigkeitsdenken und Aberglaube herrschten, zu entführen. Mit dieser Sprache weiß Eveline Hasler zu faszinieren. Nicht ganz bin ich damit einverstanden, dass Anna Göldin "die letzte Frau, die in Europa als Hexe hingerichtet wurde," sein soll. Meines Wissens gab es noch Jahrzehnte später Hexenprozesse und auch Hinrichtungen.

Dennoch bleibt dieses Buch ein herrliches Beispiel dafür, wie sich Ober- und Unterschicht oftmals zueinander verhielten.

Wehrlos steht Anna ihren Arbeitgebern oft gegenüber. Sie mag noch so selbstbewusst und emanzipiert sein, all diese Eigenschaften werden ihr nur zum Nachteil. Sie fällt in Ungnade, schnell werden unglückliche Umstände und Aberglaube miteinander vermischt, es wird Anklage erhoben, die Obrigkeit ist sich einig, Anna wird gefoltert und gesteht und wird hingerichtet.

Alles geschieht streng nach dem Gesetz. Nach dem Motto: Der Gesetzgeber sucht sich seine Opfer. Ein Schelm, der da Parallelen in späteren Zeiten, ja bis in die Gegenwart hinein, sucht! Vielleicht ist dieses Buch ja gerade deshalb so ein Bestseller!

Nagel & Kimche, ISBN 978-3-312-00539-0, Preis 18,90 Euro

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