Amisch - Romane

  Amischromane gehören für viele Lesefreunde zum festen Bestandteil ihres Lesefutters. buecherveraendernleben.npage.eu hatte nun Gelegenheit mit der Lektoratsleiterin des Verlages der Francke - Buchhandlung Kathrin Schultheis ein Gespräch über das Thema Amischromane zu führen.

 

Liebe Frau Schultheis, 

welche Traditionen haben Amischromane in Amerika, 

also dort wo die Amisch heute leben? 

 

Ausgelöst wurde die Amisch-Welle in Amerika Ende der 1990er Jahre durch Beverly Lewis. Zwar gab es auch zuvor vereinzelt Romane, die in der Welt der Amisch spielten, doch ein eigenes Genre entwickelte sich daraus erst infolge ihres überaus erfolgreichen Erstlingsromans „The Shunning“ (1997). Dieser verkaufte sich über eine Million Mal und war ein echter Überraschungshit. Andere Autoren folgten, sobald klar wurde, dass Amischromane bei den Lesern einen derart großen Anklang fanden. Beverly Lewis selbst schrieb in den Folgejahren dutzende weitere Romane und blieb die unangefochtene Königin des Amischromans. Wie unzählige Fanbriefe beweisen, werden ihre Bücher sogar von den Amisch selbst gelesen.

 

 Dieser Roman ist  im Verlag der Francke - Buchhandlung erschienen.

 

 

Interessant ist, dass die Amisch-Welle in den USA zurzeit einen zweiten Höhepunkt erreicht. Seit einigen Jahren explodiert der Markt für Amischromane geradezu; beinah jeder Verlag hat in diesem Bereich stark zugelegt. Während die Autorinnen der ersten Generation langsam ihren Zenit erreichen, drängen junge Autoren auf den Markt, die das Genre deutlich beleben. Autorinnen wie die New York Times-Bestsellerautorin Cindy Woodsmall, die das Thema Amisch wesentlich differenzierter angeht als ihre Vorgängerinnen, oder auch Hillary Manton Lodge, deren Amischromane fast in Richtung Chick lit gehen

 Auch dieser Roman ist im Verlag der Francke - Buchhandlung erschienen.  

 

 

Seit wann veröffentlicht der Verlag der Francke - Buchhandlung Amischromane und wie kam es dazu?

Der erste Amischroman, der bei Francke erschien, war „Was auch geschehen mag“ (ein Titel, der bis heute lieferbar ist und etliche Neuauflagen erlebt hat). Es handelt sich dabei um die deutsche Übersetzung von „The Shunning“. Sie kam 1998 auf den Markt. Da das lange vor meiner Zeit war, kann ich leider nichts zum damaligen Überlegungsprozess sagen, doch klar ist, dass der damalige Verlagsleiter Beverly Lewis’ Debütroman unmittelbar nach Erscheinen eingekauft hat. Allem Anschein nach hat er also direkt erkannt, welches Potenzial sowohl in Lewis als Autorin als auch in dem Thema Amisch lag.    


"Was auch geschehen mag" - der erste Amischroman aus dem Verlag der Francke - Buchhandlung, die 3. Auflage ist sogar noch zu haben

 

 

Was meinen Sie, warum sind gerade Amischromane so beliebt? Kann es sein, dass die Leser sich ein wenig nach der Lebensweise der Amisch sehnen?

Natürlich spielt zum einen der Reiz des einfachen Lebens eine wichtige Rolle. In unserer von Hektik geprägten Welt erscheint vielen die Vorstellung verlockend, ein derart entschleunigtes Leben zu führen. Es ist aber vor allem auch der Aspekt des Zusammenlebens in Großfamilien und des starken Zusammenhalts in der Gemeinschaft (solange man nicht versucht, eigene Wege zu gehen), der die Leser fasziniert und ihre Sehnsüchte anspricht. Der Leser wird durch die Romane in eine Welt entführt, die der eigenen sehr ähnlich ist, die aber zumindest auf den ersten Blick deutlich heiler wirkt. Zum anderen beschäftigt sich fast jeder Amischroman mit der Frage, inwieweit es wichtig und sinnvoll ist, bestimmten Regeln zu folgen, und ab welchem Punkt es nötig ist, mit Traditionen zu brechen. Auch im geistlichen Bereich. Und das ist ein Thema, das viele Christen in ihrem Alltag für sich selbst auch immer wieder durchbuchstabieren müssen. Die Amischromane sind den Lesern somit auch eine Ermutigung und eine Herausforderung, ihr Glaubensleben zu überdenken und sich bewusst zu machen, dass Gott nicht einengen, sondern Leben in Fülle schenken will.

So können Amischromane also aktive Impulse für unser Glaubensleben heute hier im deutschsprachigen Raum sein?


Ja, das können sie in der Tat. Auch wir selbst und unsere Gemeinden sind nicht dagegen gefeit, dass bestimmte Gebräuche, Regeln oder Handlungsweisen sich mit der Zeit einschleifen und wir danach leben, ohne groß zu hinterfragen, ob das tatsächlich biblisch ist. Dann heißt es: »Ein guter Christ tut so etwas nicht«, obwohl das von der Bibel her nicht zu begründen ist. Die Amisch-Romane ermutigen dazu, sich nicht den Regeln der Menschen, sondern denen Gottes zu unterwerfen. Sie führen vor Augen, dass wir allein aus Gnade gerettet sind und uns Gottes Liebe nicht verdienen müssen. Sie legen eine neue Begeisterung für die Bibel in unser Herz, indem sie uns von Menschen erzählen, die erstmals selbst in Gottes Wort lesen (den einfachen Amisch ist dies ja verboten) und merken, dass Gott dadurch zu ihnen spricht. Und das sind Botschaften, die auch wir im deutschsprachigen Raum immer wieder neu hören müssen.



Kann es sein, dass die ersten Amisch-Romane nicht so problembeladen waren? Aus der Erinnerung her erscheint es mir heute so und ich bin sehr froh darüber, dass es heute Amisch-Romane gibt, die auch von den Problemen dieser Gemeinden handeln.

Eigentlich setzten sich die Romane von Anfang an auch mit den Problemen der Amischgemeinschaften auseinander. Erst daraus entsteht ja der Stoff, aus dem eine spannende Erzählung gestrickt werden kann. Aber Sie haben durchaus recht. Anfangs wurde die Welt der Amisch sehr viel beschaulicher dargestellt, bzw. sehr viel mehr in Schwarz-Weiß-Bildern. Das ist mit der Zeit vielschichtiger geworden. Bei Cindy Woodsmall beispielsweise wirkt die Welt der Amisch deutlich realistischer. Bei ihr gibt es Graustufen und sie schreckt auch vor harten Themen wie Vergewaltigung nicht zurück. Ihre Figuren müssen sich riesigen Herausforderungen stellen. Allerdings ist dies kein Trend, der sich verallgemeinern ließe. Bei anderen Autoren liegt der Fokus deutlich weniger auf irgendwelchen Problemen – egal ob systemimmanent oder anderer Natur. Was die heutigen Romane aber gemeinsam haben, ist die realistischere Darstellungsweise und dass die Autoren sich erfrischend unvoreingenommen an das Thema Amisch heranwagen.



Ich hoffe, der Verlag der Francke-Buchhandlung macht so fleißig wie schon in den letzten Jahren mit der Veröffentlichung von Amisch-Romanen weiter. Was wird uns da in den nächsten Monaten erwarten?

Aber natürlich werden wir weiter neue Amisch-Romane bringen. Soeben ist von Cindy Woodsmall "Eine Brücke ins Glück" erschienen, mit diesem Buch knüpft Cindy Woodsmail an ihren Erfolg "Wie Federn im Wind" an.



Herzlichen Dank für das Gespräch.

       

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